Energy Sharing: Eigentlich eine uralte Idee
Am 1. Juni 2026 tritt in Deutschland eine Regelung in Kraft, auf die viele Akteure der Energiewende lange gewartet haben: Energy Sharing wird gesetzlich möglich.
Für manche klingt das nach einer Revolution. Doch bei genauerem Hinsehen ist Energy Sharing alles andere als neu. Eigentlich begleitet uns die Idee schon seit Beginn der Menschheitsgeschichte.
Energie wurde schon immer geteilt
Als unsere Vorfahren lernten, Feuer zu entfachen, wurde diese Energiequelle nicht von Einzelnen gehütet. Sie wurde geteilt. Menschen versammelten sich um gemeinsame Feuerstellen, nutzten die Wärme, das Licht und die Möglichkeit, Nahrung zuzubereiten.
Später wurden andere Energieträger gemeinschaftlich genutzt: Holz, Kohle, Öl und Gas. Die Energieversorgung war zwar unterschiedlich organisiert, doch das Grundprinzip blieb gleich: Energie schafft ihren größten Nutzen, wenn Menschen sie gemeinsam verwenden.
Und heute?
Heute erzeugen Millionen von Solaranlagen und Windkraftanlagen erneuerbare Energie direkt dort, wo Menschen leben und arbeiten. Technologisch ist es längst möglich, diese Energie lokal und gemeinschaftlich zu nutzen. Was lange fehlte, waren die passenden rechtlichen Rahmenbedingungen.
Ein wichtiger Schritt für die Energiewende
Mit der neuen Gesetzgebung wird Energy Sharing nun offiziell ermöglicht. Das eröffnet neue Chancen für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Kommunen und Energiegemeinschaften.
Strom aus lokalen erneuerbaren Energieanlagen kann künftig stärker gemeinschaftlich genutzt werden. Das schafft Anreize für den Ausbau erneuerbarer Energien, stärkt regionale Wertschöpfung und macht die Energiewende für viele Menschen greifbarer.
Doch Gesetze allein verändern noch nichts. Entscheidend ist, was wir daraus machen.
Und genau hier stehen wir aktuell an einem spannenden Punkt. Obwohl der rechtliche Rahmen nun geschaffen wurde, gibt es bislang kaum praktische Angebote für Energy Sharing. Das liegt nicht daran, dass das Interesse fehlt – im Gegenteil. Vielmehr müssen jetzt die Voraussetzungen geschaffen werden, damit Energy Sharing im Alltag tatsächlich funktioniert.
Denn hinter der Idee, lokal erzeugten Strom gemeinschaftlich zu nutzen, steckt ein komplexes Zusammenspiel aus Messung, Bilanzierung, Abrechnung und Datenaustausch zwischen zahlreichen Marktakteuren. Netzbetreiber, Lieferanten, Messstellenbetreiber und Dienstleister müssen künftig Prozesse beherrschen, die es in dieser Form bislang nicht gab.
Deshalb arbeitet die Energiewirtschaft derzeit intensiv an den notwendigen Marktprozessen. Im Rahmen der BDEW-Prozesslandschaft werden die Anforderungen aus § 42c EnWG konkretisiert und in standardisierte Abläufe übersetzt. Dabei geht es unter anderem um die Zuordnung von Erzeugungs- und Verbrauchsmengen, die Bilanzierung der geteilten Energie, den Datenaustausch zwischen den Beteiligten sowie die Abgrenzung von lokal geteiltem Strom und ergänzenden Stromlieferungen. Allerdings werden hier zentrale Anwendungsbereiche und Lösungen ausgelassen.
Mit anderen Worten: Das Gesetz ist da. Die Infrastruktur für die praktische Umsetzung entsteht gerade.
Genau deshalb ist jetzt die Zeit für Pioniere.
Nicht warten, sondern starten
Deshalb haben wir uns entschieden, nicht zu warten. #Machenistwiewollennurkrasser
Gemeinsam mit unserem SkiES-Partner decarbon1ze setzen wir bereits jetzt unser erstes Energy-Sharing-Projekt um. Unser Ziel ist es, praktische Erfahrungen zu sammeln, Chancen und Herausforderungen zu verstehen und konkrete Lösungen zu entwickeln, die sich in der Praxis bewähren.
Denn die Energiewende braucht nicht nur neue Regeln. Sie braucht Menschen und Organisationen, die bereit sind, neue Wege auszuprobieren.
Unsere Erfahrungen teilen wir nach der Sommerpause
In den kommenden Monaten arbeiten wir intensiv an der Umsetzung unseres ersten Projekts. Nach der Sommerpause werden wir berichten, welche Erkenntnisse wir gewonnen haben, welche Herausforderungen aufgetreten sind und welches Potenzial wir für Energy Sharing in Deutschland sehen.
Bis dahin bleibt es spannend.
Wer früher Einblicke erhalten möchte, kann Mitglied bei BEN werden und sich hier als Interessent für unser Energy Sharing Produkt melden. Dort teilen wir Entwicklungen, Erfahrungen und erste Ergebnisse bereits vor der öffentlichen Veröffentlichung.
Denn eine Sache hat sich seit den ersten gemeinsamen Feuerstellen nicht verändert:
Fortschritt entsteht dort, wo Menschen Energie teilen. Wir haben #MehrEnergieGemeinsam