Wie stärken wir das Vertrauen in Demokratie? Indem Menschen erleben, dass sie gemeinsam etwas bewegen und ganz konkret von ihrem Engagement profitieren können. Bürgerenergie bietet dafür eine große Chance.
Am selben Tag, an dem in Sachsen-Anhalt ein AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten gewählt wurde, haben wir mit der Grüne Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein unter dem Motto „Power für die Region: Bürgernahe Beteiligungsmodelle für die Energiewelt von morgen“ darüber diskutiert, wie Menschen vor Ort die Energiewende selbst gestalten und von ihr profitieren können.
Die gesellschaftliche Herausforderung ist offensichtlich: Demokratie muss im Alltag erfahrbar sein. Menschen brauchen Möglichkeiten, mitzuentscheiden, mitzugestalten und die Wirkung ihres Engagements unmittelbar zu erleben. Es geht darum, Selbstwirksamkeit zu schaffen und zu zeigen, dass gemeinschaftliches Handeln konkrete Vorteile bringt.
Bürgerenergie kann genau das leisten. Sie verbindet Klimaschutz mit demokratischer Teilhabe, regionaler Wertschöpfung und wirtschaftlichen Vorteilen vor Ort. Bürgerinnen und Bürger werden nicht nur zu Abnehmerinnen und Abnehmern von Energie, sondern zu aktiven Gestalterinnen und Gestaltern ihrer Energieversorgung.
Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigten die drei Praxisbeispiele unserer Referentinnen und Referenten:
Regionale Energie nutzen und davon profitieren
René Ohm von zeigte, wie Menschen über sogenannte Lokalstromtarife direkt von erneuerbaren Energieanlagen aus ihrer Region profitieren können. So bleibt ein Teil der Wertschöpfung vor Ort und die Menschen können die Energiewende in ihrer eigenen Region unmittelbar erleben.
Eine ganze Gemeinde macht es vor
Werner Schweizer, ehemaliger Bürgermeister von Klixbüll, berichtete von den Erfahrungen einer echten Vorreitergemeinde der Energiewende. Klixbüll hat es geschafft, ein Vielfaches des eigenen Strombedarfs aus erneuerbaren Energien in Bürgerhand zu erzeugen. Bereits seit 1993 betreibt die Klixbüller Energiegesellschaft Windkraftanlagen und Photovoltaik. Das Beispiel zeigt, welches Potenzial in kommunalem Engagement und gemeinschaftlicher Investition steckt: Die Energiewende kann zur wirtschaftlichen Stärke einer ganzen Gemeinde werden.
Bürgerenergie wirkt direkt im Alltag
Anna Leidreiter von der BürgerEnergie Nord eG (BEN) machte deutlich, wie Bürgerenergie schon heute ganz konkret in der Lebenswirklichkeit der Menschen ankommt. Mit einer Solaranlage auf dem eigenen Dach können Haushalte ihre Stromkosten senken und direkt von günstigem Solarstrom profitieren.
Doch nicht jeder Mensch verfügt über ein eigenes Dach. Als genossenschaftlicher Anbieter ermöglicht die BEN deshalb auch Mieterinnen und Mietern sowie Menschen ohne eigene Dachfläche den Zugang zu lokal erzeugtem Solarstrom. Wer darüber hinaus Genossenschaftsmitglied wird, kann sich auch finanziell an den Anlagen beteiligen und von deren wirtschaftlichen Erträgen profitieren.
Gemeinsam die Energiewelt von morgen gestalten
Neben diesen Praxisbeispielen ging es um weitere Fragen: Wie können Kommunen konkret von Bürgerenergie profitieren? Welche Möglichkeiten eröffnen die neuen gesetzlichen Regelungen für Energy Sharing? Und welche Partnerschaften braucht es, damit regionale Stromtarife und gemeinschaftliche Energieversorgung erfolgreich umgesetzt werden können?
Die Beispiele aus Regiogröön, Klixbüll und der BürgerEnergie Nord zeigen: Die Energiewende ist mehr als der Ausbau von Wind- und Solaranlagen. Sie schafft regionale Wertschöpfung, eröffnet wirtschaftliche Chancen und gibt Menschen die Möglichkeit, ihre Energiever
sorgung selbst mitzugestalten.
Im Vorfeld der Veranstaltung hat sich auch das Netzwerk BürgerEnergie SHH getroffen. Das Netzwerk ist vor einem Jahr in Malente gegründet und verbindet Bürgerenergie-Initiativen im Norden.
Demokratie lebt davon, dass Menschen erfahren, dass sie etwas bewirken können. Bürgerenergie macht genau das möglich: Sie bringt Menschen zusammen, schafft gemeinsame Verantwortung und macht die Vorteile demokratischer Mitgestaltung vor Ort konkret erlebbar.
